Von Sabine Fiedler:
Ich war wieder unterwegs in die Welten der Wale und Delphine
Im vergangenen Jahr brachte ich mit meinen Gefährten einen Brief zu den Menschen der Faröer Inseln, dass sie meinen Aufruf und meine Bitte lesen, endlich das Töten unserer nahen Verwandten, der Grindwale zu beenden und neue Rituale der Versöhnung zu finden.
Dieses Jahr zur gleichen Zeit führte mich mein innerer Auftrag und auch meine Abenteuer- und Welterkundungslust nach Italien in den Golf von Neapel auf die Insel Ischia. Für eine Woche checkte ich mich ein, mit einem Team von Walschützern auf Walmonitoring zu gehen. Das Team bestand aus Meeresbiologinnen und Walforschenden, die mich als Volontärin mit 5 weiteren mitnahmen auf ihrem Segelschiff, um bei der Datenerfassung und den Segelaktivitäten zu unterstützen.
Täglich fuhren wir aufs Meer und konnten mit Geräuscherkennung die Tiere orten und uns ihnen langsam nähern. Wir Teilnehmende und Forschende wechselten uns stündlich ab in der Beobachtung, bis Delfine oder Wale gesichtet wurden. Während der Sichtungen filmten wir und sammelten Daten von Verhaltensdaten, zeichneten die Walgeräusche auf und fotografierten zur Identifizierung der Tiere. Diese Daten bilden die Grundlage für zukünftige Schutzgebiete und Bestände. Ihr müsst euch vorstellen, dass der Golf von Neapel immer mehr von Touristen mit ihren Yachten und Booten überschwemmt wird, eine Unmenge von Fähren verbinden die Inseln dort und gefährden immer mehr die Futter und Schlafplätze – die Lebensräume der kleinen und gigantischen Lebewesen. Ich konnte dabei sein, einem großen Pottwal zu begegnen, der so starke Verletzungen am Rücken hatte durch Schiffsschrauben verursacht, dennoch sein Wallleben lebte, so gut es ging, stark beeinträchtigt in seinem Schwimmverhalten. Die Meere werden lauter durch den Motorenlärm und lassen Delphine und Wale leiser werden. Viel Plastikmüll und Geisternetze schwimmen unter und auf der Oberfläche. Ein Pottwal kam zu uns und zeigte, dass an seiner Fluke ein Netz festhing und gab Zeichen, dass er Hilfe brauchte. Unser erfahrener Skipper Angelo und seit 20 Jahren Betreiber des Projektes zog sich Flossen an und schwamm zu ihm, ihn zu befreien.
Noch jetzt, wenn ich schreibe, bin ich tief berührt, wie Zusammenarbeit und Unterstützung der Menschen- und der Meereswesen aussehen kann. Wir sind aufeinander angewiesen und sollten uns sehen, wahrnehmen und achten. Ich habe großen Respekt vor den Menschen und dem Team dort, die sich jeden Tag auf den Weg machen, das Leben der Meere zu schützen und zu unterstützen. Sie dienen mit ihrer Lebenszeit, einem ganz einfachen Leben auf dem Boot, Ihrem Wissen und Können und geben den anderen Lebewesen eine Stimme. Dabei nehmen sie uns Interessierte mit, weihen uns ein, öffnen unsere Herzen und Augen.
Das Leben mit 12 unterschiedlichsten Menschen an Bord über eine Woche aus aller Herren Länder von 8-66 Jahren war herausfordernd. Doch durch die räumliche Nähe, das wachsende Zusammenspiel, dem Sinn des Vorhabens, den Glücksmomenten der Begegnungen zwischen uns Menschen und der Begeisterung für Wale und Delphine wuchs eine vertraute Gemeinschaft in nur einer Woche.
Es war für mich wie ein mannaz-Pilgerweg – nur eben auf dem Meer auf einem Segelschiff.