Pilgern durch die Mecklenburgische Seenplatte auf dem Geh-Danken-Weg mit dem Kompass der Heilung.
Acht Haltungen für ein erfülltes Leben.
Der Geh-Danken-Weg ist ein Weg, auf dem Du die Chance erhältst, dankbar auf Dein Leben zu blicken.
Der Geh-Danken-Weg ist ein Weg für alle Abenteuer, die das Leben und die Begegnung mit Menschen bereithält.
Der Geh-Danken-Weg ist ein Weg der Einfachheit, auf dem Du erlebst, wie wenig Du im Leben brauchst.
Der Geh-Danken-Weg ist ein Weg der Einsicht.
Du erfährst, in wessen Fußstapfen Du trittst und ob Du Deinen eigenen Rucksack trägst oder die Lasten Deiner Ahnen schulterst.
Der Geh-Danken-Weg ist ein Weg der Begegnung auf allen Ebenen.
Mit Dir, mit der Gruppe, mit der Natur, mit Menschen auf dem Weg, mit Gott, mit der Quelle.
Hier liest Du die Berichte der Pilger*innen aus dem Pilgerblog.
Von Leppin nach Neubrandenburg in der Haltung der Achtsamkeit
Zwei Pilger*innen berichten von ihrem ersten Tag
Es ist spannend, wie sich Themen treffen und Menschen zusammenfinden, die ein ähnliches Erleben haben, eine gemeinsame Lösung finden und dann ganz unterschiedliche Erfahrungen damit machen.
Ich hatte heute früh während der Morgenmeditation den ersten Aha-Effekt. Beim Lied „Gott ist nur Liebe“, kamen mir die Tränen. Ich verlasse hier auf diesem Pilgerweg meine Komfortzone und fühlte mich so verloren. Der Beistand meiner Begleiterin half mir und ich konnte sofort in der Morgenrunde darüber sprechen.
Meine Nacht war unruhig. Ich habe nicht ausgeschlafen, bekam Zweifel, ob ich am richtigen Ort bin und fragte mich, ob ich noch abreisen sollte. Ich wurde dann darin gesehen, in den Arm genommen und konnte weinen. Ich wollte auf jeden Fall gehen, es war eine echte Aufgabe, nicht aufzugeben.
Auf dem Weg erlebten wir eine Win-Win-Situation, die uns einander nähergebracht hat. Ich hatte mir einen Pilgerwagen ausgeliehen. Ich hatte Knieschmerzen und habe dann meinen Rucksack auf Deinen Wagen geschnallt. Das hat uns zusammengeschweißt und ich fühlte mich sehr verbunden. Erst bin ich mit dem Wagen gegangen mit beiden Rucksäcken, dann haben wir uns abgewechselt. Da, wo es schwer wurde, haben wir uns gegenseitig unterstützt. Ein jede trage der anderen Last, dann ist sie nicht mehr so schwer. Wir haben dabei gemerkt, wie ähnlich es uns ging. Es schien uns, als würden sich die anderen in der Gruppe schon kennen und wir erzählten einander, wie wir uns als Außen vor empfanden.
Ich bin das ja gewöhnt in Gruppen zu sein, ich kann das. Trotzdem fühle ich mich manchmal nicht am richtigen Ort und muss mich erst mal selbst spüren und finden. Im Verlauf des Tages bin ich wieder bei mir angekommen. Jetzt fühle mich wieder so, wie ich mich kenne. Meine Engelbotschaft fragt danach, was ich im Leben will. Ich kann meine Lebenssituation perfekt und bunt erklären und erzählen – aber, wie geht es mir eigentlich? Ich will auf diesem Weg schauen, wie ich von mir erzähle, dass ich Zugang bekomme zu meinen Gefühlen.
Zum Schluss waren wir vier Pilger*innen und blieben hinter der Gruppe zurück. Als wir verspätet in der Unterkunft ankamen, wurde darum kein großes Aufheben gemacht. Dass ich nicht gewollt bin, hat mich in meinem Leben lange begleitet. Ich bin meinen kindlichen Bedürfnissen auf die Spur gekommen: Ich will so begrüßt werden, dass sich Menschen über mich freuen. Auf dem Weg hat ein Pilger auf ein Stück Kuchen verzichtet, dass ich es bekommen kann. Das hat mich sehr gerührt.
Wir haben etwas gemeinsam erlebt, aber auch unsere Unterschiedlichkeit erfahren.
Tag der Demut von Neubrandenburg über Alt Rhese nach Pekatel
Eine Pilgerin berichtet
Der gestrige Tag war eine Herausforderung für mich. Wir sind 25 Kilometer gelaufen und ich hatte so schmerzende Füße, dass ich die letzten acht Kilometer nur mit großer Anstrengung geschafft habe. Weil ich alle Kraft für mich brauchte, habe mich von allen getrennt, um durchzuhalten.
Heute ging es in der Morgenrunde für mich darum, was ich mache, wenn ich nicht mehr kann? Welche Alternative habe ich, wenn ich keine Hilfe annehmen kann und alle wegstoße? So gerne hätte ich um ein Coaching gebeten, um mein bedürftiges Inneres Kind zu nähren und war doch nicht in der Lage dazu. Ich kann zu niemandem gehen, denn die anderen müssen ja auch durchhalten. Ich kann mich nicht zumuten.
Die Engel haben mir aufgetragen, meine Ängste anzuschauen, sie zu würdigen und dann zu verabschieden. Meine Ängste hindern mich daran, meine wahre Größe zu sehen, das, was ich schaffe und was ich kann. Ich könnte fragen, ich dürfte mich zumuten, aber immer wieder kam in mir ein inneres Nein. Ich muss das Vertrauen haben, dass Menschen mich aushalten können. Dann umarmte ich meine Begleiterin und es ging mir durch und durch. Ich bekam keine Luft mehr, musste mit meinem Atem ringen, wenn ich wegsah, wurde es besser, doch in mir veränderte sich etwas.
In meinem Coaching habe ich erkannt, dass ich mit der Angst meiner Ahninnen verbunden bin. Sie schützen mich vor dem, wovor sie Schutz brauchten, und so wurde ihre Angst zu meiner. Deswegen kann ich meine wahre Kraft nicht sehen. Ich werde heute Abend meinen Ahninnen danken für alles, wovor mich ihre Angst vermeintlich beschützt hat. Wenn diese Angst weg ist, dann zeigen sich für mich ganz andere Möglichkeiten. Die nächsten Tage werde ich schauen, wer ich bin und worin meine wahre Größe besteht.
Was mache ich, wenn ihr Schutz weg ist? Ich werde mein Leben in Gottes Hände legen und mich taufen lassen. Gestern war ich so getrennt und heute bin ich nach dem Gespräch mit meinen Coaches ganz leicht und habe keine Angst vor den Tränen, die noch kommen. Ich werde das, was ich übernommen habe in Würde gehen lassen.
Tag der Annahme von Pekatel nach Fürstenberg
Eine Pilgerin berichtet
In den letzten drei Tagen haben sich viele Fragen aufgetan. Eine wesentliche davon war: Wie kann ich mich würdigen? Ich sollte finden, was ich alles geschafft und geschaffen habe…was ich an mir würdigen kann. Ich habe es aufgeschrieben, doch immer hat sich gleich ein “Aber” gezeigt. Ein “Aber” und noch mehr Fragen. Warum habe ich diese Dinge getan? Sind es meine eigenen Geschichten, war es mein Antrieb oder habe ich aus Not, Vernachlässigung oder Sehnsucht gehandelt?
Ich bin mit dieser Aufgabe nicht weitergekommen. Es hat sich alles so schwer, verwirrt, enttäuscht und ratlos in mir gefühlt. Ich habe bis spät in die Nacht hinein gesessen, um Antworten zu finden – ein Begleiter entdeckte mich und schenkte mir ein langes Gespräch. So konnte ich vorerst versöhnt ins Bett gehen, noch nicht alle Fragen beantwortet zu haben.
Nach der Morgenrunde haben mich meine Begleiter auf dem Weg gleich ins Gespräch genommen. Es war höchste Zeit, denn ich war verwirrt und ratlos, da meine Themen noch nicht genügend Raum hatten. Hätten sie mich nicht angesprochen, wäre ich sicher in den Rückzug gegangen. Immerhin habe ich für mich gesorgt, weil ich darum bitten konnte, dass die Gruppe auf mich wartet. Zu Beginn konnte ich alle Erwartungen an das Gespräch loslassen. Normalerweise habe ich viele Fragen, doch nun war in mir eine große Leere.
Warum weiß ich nicht was Würde ist? Ich wurde in meinem Leben so viel entwürdigt und habe es nicht gemerkt. Wenn ich mich selbst würdigen soll, dann muss ich wissen, wie das geht.
Meine Begleiterin hat sich mir zugewandt, mir in die Augen geschaut und würdigende Sätze gesprochen. Es schien, als fiele alles in ein endloses Loch in mir, durch die jahrelange Entwürdigung ausgehöhlt. Bald spürte ich, wie meine Beine langsam warm wurden, es war, als bekäme ich Wurzeln und als würden mir Flügel wachsen. Mein Begleiter nahm mir dann noch den Rucksack ab und es fühlte sich so leicht an, ohne den ganzen Ballast. Der Knoten in mir platzte: ich konnte endlich reden.
Das Einzige, was mir als Kind nicht genommen werden konnte war, dass ich schon immer eine Anbindung an ein göttliches Licht hatte. Diese Verbindung war mein Anker über die ganzen Jahrzehnte hinweg.
Ich bin immer in Rollen geschlüpft und habe alles bedient. Wer bin ich ohne eine Rolle?
Ich werde mir Zeit nehmen für mich und will herausfinden, wer ich bin. Ich will annehmen, wie mein Leben war, mich jeden Tag selbst mit Erkenntnissen füllen, die wesentlich für mich sind und mich in meinem Tempo selbst entdecken und würdigen.
Für mich war das heute ein Meilenstein.
Tag der Dankbarkeit von Fürstenwerden nach Lychen
Ein Pilger berichtet
Heute begann der Tag mit einem Besuch in dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Wir haben uns als Pilgergruppe vor das Denkmal gestellt. Drei Frauen tragen ein totes Kind. Ein leerer Platz neben der Skulptur steht für die Täter. Ich kenne die Geschichte aus einer Perspektive meines Heimatlandes. Es war für mich interessant, die Ost- und Westdeutsche Geschichte kennen zu lernen. Der Besuch in der Gedenkstätte hat mich sehr beeindruckt. Erst habe ich viele Informationen für mich gesammelt, dann musste ich weinen über alles das, was ich über Ravensbrück erfahren habe.
Wie können wir als Menschen so brutal sein? Ich habe noch keine vollständige Antwort für mich gefunden. Der Besuch hat den Ton für den Tag gesetzt. Alles erschien mir grau und trist und ich wollte nachhause. Ich war auch in Auschwitz, daran habe ich mich erinnert.
Nach Ravensbrück sind wir in einen See gegangen und es hat sich ein bisschen wie Reinigung angefühlt. Als würde ich etwas von mir abspülen. Wir haben im Anschluss den Text zur Dankbarkeit gelesen. Für mich nehme ich das Thema Opfer, Täter und Mitläufer mit. Dieses Thema hat für mich eine große Grauzone.
Im Text bleibe ich an einer Stelle hängen: wenn jemand über meine Grenze geht, kann ich dankbar sein für den ein Hinweis, wo ich meine Grenzen nicht achte. Das hat mich sehr beschäftigt. In Ravensbrück wurden auch Grenzen massiv verletzt. Wie soll ich dann für eine Grenzüberschreitung dankbar sein? Opfer, Täter und Mitläufer muss man separat betrachten. Wenn ich Opfer von etwas bin, dann darf ich nicht zum Täter werden, sondern ich muss lernen, für mich zu sorgen.
Für mich wurde als Kind nicht gut gesorgt, ich war Opfer von Vernachlässigung durch meine Eltern. Damals dachte ich, ich wäre daran schuld, weil ich nicht selber für mich sorgen konnte. Anzunehmen, dass ich Opfer war, ist für mich nicht einfach. Die Verantwortung, die meine Eltern tragen, ist viel größer, als ich gedacht habe. Ich nehme mit nachhause: wo ich früher gestolpert und laut geworden bin, wenn jemand nicht zuhört, muss ich besser für mich einstehen. Nur laut zu werden hilft dabei nicht. Ich werde selbst zum Täter, aber sorge nicht für mich. Ich kann für mich aktiv werden. Wird man nicht aktiv, wenn Unrecht geschieht, dann ist man ein Mitläufer. Es ist wichtig, einzuschreiten.
Diese Themen beschäftigen mich sehr. Ich bin heute manches Wegstück allein gegangen, habe leichte und tiefe Gespräche geführt. Ich komme mit den Menschen ins Vertrauen. In meinem Tempo. Ich achte meine Grenzen und es ist eine gute Erfahrung, dass hier Menschen sind, die auch meine Grenzen achten. Das möchte ich gerne in den Alltag mitnehmen. Ich will mich ernst nehmen, meine Grenzen spüren und für mich einstehen.
Kurz vor Lychen war ich echt fertig, aber um die nächste Ecke tauchte dann eine Tankstelle auf. Ich habe mir das größte Eis gekauft. Was für ein Wunder.
Tag des Vertrauens bringt von Lychen nach Feldberg
Eine Pilgerin berichtet
Heute Morgen habe ich mich frei gefühlt. Ich habe direkt nach dem Aufstehen getanzt. Eine andere Pilgerin ging an mir vorbei und sagte “Man kann es auch übertreiben.”
Durch eine Traumaheilung vor zwei Tagen konnte ich endlich anders reagieren. Früher wäre ich zurückgeschreckt und hätte mich abgelehnt gefühlt, vermutlich für Tage. Heute konnte ich zu mir stehen und sagen “Ja, manchmal übertreibe ich.”
Die Haltung des Vertrauens ist die schwerste für mich. Durch die Erfahrungen, die mein Leben geprägt haben, fällt es mir bis heute schwer mir und anderen Menschen zu vertrauen.
Oft kommt die Frage in mir auf, stimmt das, was ich innerlich wahrnehme? Durch ein Gespräch mit einer Mitpilgerin, habe ich gemerkt, dass ich immer noch die Bestätigung im außen suche, ob meine innere Wahrheit richtig ist.
Ich sollte heute auch ein Coaching haben. Am Morgen hatte ich mit den Begleiter*Innen ein Coaching vereinbart für den Tag. Auf dem Weg kamen in mir wieder alte Gedanken auf, z.B. dass ich sowieso vergessen werde. In einem Gespräch vertraute ich mich damit an und konnte diese alten Gedanken verabschieden. Ich entschied mich, meinen Begleiter*innen zu vertrauen, dass sie mich im Blick haben. Ich vertraute darauf, dass sie mich sehen und mich nicht vergessen.
Im Coaching haben mir meine Begleiter*innen dann vor Augen geführt, was ich in den letzten 3,5 Jahren alles geschafft habe. Das fliegt mir immer wieder weg und ich stürze dann in Zweifel und Misstrauen mir Selbst gegenüber. Ich fühle mich dann unwert und kann anderen Menschen nicht mehr unter die Augen treten.
Es gibt aber auch den Teil in mir der weiß, was er geschafft hat, aber diesem Anteil traue ich noch nicht. Als ich hörte, was die Coaches alles sehen, was ich geschafft habe, wurde es immer ruhiger in mir. Ich habe auf unterschiedlichen Wegen gelernt meine Emotionen zu regulieren, ohne andere zu verletzen. Ich kann meine Wut heilsam einsetzen und mit ihr Grenzen setzen, statt mich selbst zu verletzen. Ich habe seit meiner Taufe vor einem Jahr eine neue Familie, Menschen, die ich liebe und die mich lieben und ich kann es zulassen. Ich kann mich verständlich machen und werde gehört. Ich strahle nicht mehr aus, dass ich keinen Kontakt will, Menschen suchen meine Nähe und wollen meinen Rat, uvm.
Meine Aufgabe ist es jetzt, aufzuschreiben von wo ich komme und wo ich jetzt stehe.
Nach dem Coaching war es ruhig in mir und in meinem Herzen wurde es weich. Ich kann mir vertrauen und mich jetzt schon ein Stück mehr lieben.
Von Feldberg nach Fürstenwerder in der Haltung des Mutes
Eine Pilgerin berichtet
Schon seit 6 Jahren bin ich im Burnout und fand keinen Weg zurück zu meiner Lebenskraft. Einige Male habe ich von anderen gehört, dass erschöpfte Menschen beim Pilgern wieder zu ihrer Kraft gefunden haben. Dieses Jahr wollte ich es ausprobieren, hatte aber Angst und Zweifel, ob ich das schaffe. Ich war vor dem Weg Probewandern und habe 2 km geschafft. Danach war ich völlig erschöpft. Ich habe gedacht, das schaffe ich niemals, aber ich mache es trotzdem, denn ich habe das Vertrauen in die Coaches.
Schon in der ersten Runde am Tag der Achtsamkeit habe ich gemerkt, dass es eine Entscheidung ist zu Pilgern und die Kraft dafür aufzubringen. Genauso ist es eine Entscheidung in der Erschöpfung zu bleiben. Ich pilgerte und habe nach meiner Entscheidung in die Kraft zu gehen die ersten 25 km geschafft. Ich war sehr stolz auf mich.
Meine Botschaft für diesen Weg ist, dass ich meine Lebenskraft entdecken und nicht länger in der Erschöpfung meines Lebens verharren soll.
Auf dem Weg habe ich als nächstes herausgefunden, dass sich die Frauen in meiner Ahnenlinie für die Männer und die Familie aufgeopfert haben. Ich habe verstanden, dass auch ich mich opfere, wenn ich weiter am Platz neben meiner Mutter stehe. Meine Coaches begleiteten mich diesen Schritt herauszutreten, auf meine eigene Lebenslinie. Danach fühlte ich mich schon kraftvoller.
Heute am Tag des Mutes sollte ich eine Angst suchen, die mich abhält, mein Leben zu leben und in meiner Lebenskraft meinen Weg zu gehen.
Ich hatte schon als Kind Angst, dass meine Mutter stirbt, und diese Angst habe ich bis heute. Meine Mutter hat mit 14 Jahren ihre Mutter verloren, hat sich diesem Verlust nie gestellt. Ich habe diese Angst von ihr übernommen.
Ich bin mein ganzes Leben mit dieser Angst beschäftigt und es hindert mich, meinen Weg zu gehen. Das macht mich so wütend. Ich schaue immer was meine Mutter oder andere Menschen brauchen, statt auch mal nach mir zu schauen. Ich opfere mich wie meine Ahninnen. Ich schaue nicht nach meinen wahren Bedürfnissen. Als das in mir ankommen konnte, konnte ich meine Wut ausdrücken. Ein Schrei der mich wieder ein Stück befreite. Seitdem fühle ich mich kraftvoll, fast wie früher. Und ich habe gerade keinen Bock mehr mich nach anderen zu richten.
Ich bin stolz auf mich, dass ich jeden Tag die Strecken schaffe und zu immer mehr Kraft komme. Ich bin stolz auf mich, dass ich trotz des Gefühls der immerwährenden Erschöpfung den Mut hatte Pilgern zu gehen.
Haltung der Zuversicht in Leppin – die letzte Haltung im Kompass der Heilung
Eine Pilgerin berichtet
Ich möchte den Tag des Mutes aufgreifen. Ich habe entschieden, meinen verstorbenen Mann loszulassen, der vor zwei Jahren gegangen ist.
Ich bin hier, um meine Bedürfnisse kennen zu lernen. Das kann ich nicht, wenn ich mich nicht verabschiede. Ich habe das Gefühl, dass mein Mann mich schon losgelassen hat, weil er mir nicht mehr in meinen Träumen erscheint.
Jetzt bin ich dran.
Die Entscheidung fällt mir nicht leicht, wenn ich meine Bedürfnisse nicht kenne. Was mache ich mit mir allein, wie gestalte ich meine freie Zeit?
Meine Coaches haben mich darin begleitet. Ich habe meinem Mann einen Brief in mein Handy diktiert, ihm eine Botschaft geschrieben und mit vier Menschen zusammen ein Abschiedsritual gemacht mit einer kleinen Kuhle im Sand und seiner Lieblingsblume.
Ich habe den Zettel verbrannt und bekam noch eine Botschaft von meinem Mann, dass es ihm leidtut, dass er mich allein gelassen und nicht besser für sich gesorgt hat.
Mein Mann ist ganz plötzlich gestorben und ich war völlig unvorbereitet, als ich ihn fand.
Ich war in einer Schockstarre und konnte das nicht rauslassen. Heute bin ich diesen Moment noch einmal durchgegangen, habe den Schmerz gespürt und rausgelassen, das war sehr heilsam.
Nun stehe ich allein, obwohl ich Menschen und meine Familie habe.
Auf dem Pilgerweg habe ich erfahren, dass ich verbunden bin. Wenn ich Hilfe brauche, ist sie da. Ich freue mich auf meinen eigenen Weg, wo ich vorher immer meinen Partnern gefolgt bin. Nach der Trauma-Auflösung habe ich in den Spiegel geschaut und mir gesagt: ich bin frei. Ich kann jetzt nachhause fahren und allein sein mit mir. Ich habe davor keine Angst mehr.
Ich kann diesen Weg nur allen ans Herz legen. Ihr lieben Menschen, geht pilgern.
Wenn wir gut für uns sorgen ist auch für alle Menschen gut gesorgt.